Wann bist du das letzte Mal staunend stehen geblieben?
Erinnerst du dich noch daran, wie das als Kind war? Eine kleine Schnecke am Wegesrand konnte dich für zwanzig Minuten komplett faszinieren. Ein glitzernder Stein, die Muster von Regentropfen auf dem Fenster oder die fluffigen Wolken am Himmel – wir konnten stundenlang dastehen, die Augen weit aufgerissen, und einfach nur staunen.
Und heute? Der Autopilot des Alltags hat uns fest im Griff. Wir hetzen von Termin zu Termin, den Blick starr auf den Boden oder aufs Smartphone gerichtet. Die Welt um uns herum dreht sich, aber wir nehmen sie kaum noch wahr. Alles ist funktional geworden: Der Weg zur Arbeit ist eine Strecke, die es hinter sich zu bringen gilt, der Abend ein Zeitpunkt, um endlich die To-Do-Liste leerzuräumen.
Die verlorene Kunst des Staunens
Wir haben im Trubel des Erwachsenenseins verlernt, innezuatmen und uns von der Schönheit des Lebens überraschen zu lassen. Dabei ist unsere Welt voller winziger, leiser Wunder.
Man muss dafür nicht ans Ende der Welt reisen. Es reicht oft schon, den Blick zu heben:
- Der goldene Lichtstrahl, der am Morgen durch die Küche fällt.
- Der Duft von frisch gebackenem Brot oder nassem Asphalt nach einem Sommerregen.
- Das unbändige Lachen eines Kindes oder die treue Hand eines geliebten Menschen.
Staunen ist wie ein Reset-Knopf für unsere Seele. In dem Moment, in dem wir stehen bleiben und staunen, hören wir auf, uns selbst und unsere Sorgen so furchtbar wichtig zu nehmen. Wir merken: Da ist noch so viel mehr als nur unser kleiner, anstrengender Alltagskosmos.
Die Schöpfung spricht zu uns
In der Bibel wird immer wieder dazu aufgerufen, die Augen aufzumachen und die Schöpfung zu betrachten. Jesus hat die Menschen auf die Blumen auf dem Feld und die Vögel in der Luft hingewiesen. Nicht, weil das hübsche Deko-Elemente waren, sondern weil sie uns etwas Wichtiges über Gott erzählen: Wenn er sich so unendlich liebevoll um das kleinste Detail der Natur kümmert, wie viel mehr gilt das dann erst recht für dich?
Staunen ist eine Form von Lobpreis, die keine großen Worte braucht. Es ist ein leises „Wow“ im Herzen, das uns den Boden unter den Füßen zurückgibt.
Ein Gebet für staunende Augen
Guter Gott,
manchmal bin ich so tief in meinem Alltag gefangen, dass ich blind werde für die Schönheit um mich herum. Mein Kopf kreist um Aufgaben, Sorgen und Termine, während deine Welt voller leiser Wunder ist.
Öffne meine Augen neu. Schenk mir die kindliche Fähigkeit zurück, staunend stehen zu bleiben – über die kleinen Dinge in der Natur, über unerwartete Freuden und über deine Spuren in meinem Leben. Lass mich durch das Staunen spüren, wie groß, gut und nahe du bist.
Amen.
💬 Wann hast du das letzte Mal ganz bewusst innegehalten und über etwas Staunen müssen? Schreib es mir in die Kommentare!

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