Das Recht auf einen schlechten Tag
Kennst du diesen inneren Druck, der sofort einsetzt, wenn der Morgen schon holprig startet? Der Kaffee läuft über, das Kind kleckert sich voll, der Schlüssel ist mal wieder unauffindbar – und irgendwo im Hinterkopf meldet sich sofort diese leise, mahnende Stimme: „Jetzt reiß dich mal zusammen. Sei nicht so schlecht drauf, verdirb den anderen nicht die Laune.“
Wir leben in einer Gesellschaft und einer Online-Welt, in der gute Laune, Produktivität und „Positive Vibes“ fast schon zur Pflicht geworden sind. Es wird erwartet, dass wir funktionieren, lächeln und die Fassade aufrechtzuerhalten. Doch das Leben hält sich nun mal nicht an Drehnbücher.
Manchmal wachen wir auf und spüren eine bleierne Schwere. Der Akku ist leer, die Nerven liegen blank und der Tag fühlt sich einfach nur grau an.
Die Erlaubnis, schwach zu sein
Warum fällt es uns so unendlich schwer, uns selbst einzugestehen, dass es uns heute einfach mal nicht gut geht? Warum schämen wir uns fast schon dafür, wenn wir erschöpft, genervt oder traurig sind?
Wir haben verlernt, dass das Menschsein auch Schattenseiten hat. In der Natur gibt es keinen ewigen Sonnenschein. Auf den Sommer folgt der Herbst, auf den Sturm der Regen. Und genauso gibt es in unserem Leben eben nicht nur Höhenflüge, sondern auch Tage, an denen der Nebel tief hängt.
Du musst nicht immer stark sein. Du musst nicht jeden Tag gut gelaunt, motiviert und perfekt gelaunt durchs Leben marschieren. Es ist völlig in Ordnung, einen schlechten Tag zu haben. Die erste Erleichterung fängt genau da an, wo wir aufhören, gegen unsere eigene Verletzlichkeit anzukämpfen.
Wie Gott durch die Täler geht
Wenn man in der Bibel liest, fällt auf, wie nah Gott den Menschen gerade dann ist, wenn es dunkel wird. Die Psalmen sind voll von Klagen, von Erschöpfung, von Tränen und ehrlichem Frust. Da wird nichts schöngeredet. Die Schreiber rufen ihre Not ungefiltert in den Himmel.
Jesus selbst hat geweint, er war erschöpft, er hat sich zurückgezogen. Er hat uns nie versprochen, dass das Leben ein Spaziergang ohne Wolken wird. Aber er hat uns versprochen: „Ich bin bei euch – gerade dann, wenn ihr durchs Tal geht.“
Wenn du heute einen Tag hast, an dem einfach alles zu viel ist, dann versuch nicht, ihn mit aller Gewalt zu retten. Atme durch, nimm die Schwere an und sei gnädig mit dir. Du bist kein schlechter Mensch, nur weil deine Fassade heute ein paar Risse hat.
Ein Gebet für einen schweren Tag
Guter Gott,
heute fällt mir alles schwer. Mein Akku ist leer, die Nerven liegen blank, und ich merke, wie der Druck in mir steigt, trotzdem zu funktionieren.
Danke, dass ich vor dir nichts beweisen muss. Danke, dass du meine Erschöpfung siehst und mich nicht verurteilst, wenn ich heute nicht stark sein kann. Schenk mir die Gnade, diesen schlechten Tag anzunehmen, mich nicht selbst fertig zu machen und in der Stille zu spüren: Du hältst mich, auch wenn der Boden unter meinen Füßen wackelt.
Amen.

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