Vom Mut, „Nein“ zu sagen, ohne sich zu rechtfertigen
„Könntest du vielleicht noch kurz...?“ – „Würdest du das übernehmen?“ – „Passt es dir am Freitag?“
Wie oft ertappst du dich dabei, wie du innerlich stöhnst, weil dein Kalender ohnehin schon aus allen Nähten platzt, aber über deine Lippen trotzdem ein automatisches „Ja, klar, mache ich!“ huscht?
Wir wollen hilfsbereit sein. Wir wollen gemocht werden, niemanden enttäuschen und bloß nicht den Eindruck erwecken, egoistisch oder faul zu sein. Also laden wir uns immer weiter auf, sagen Ja zu Terminen, Gefälligkeiten und Aufgaben, während im Hintergrund unsere eigenen Kraftreserven auf Null sinken.
Warum uns das „Nein“ so schwerfällt
Ein „Nein“ fühlt sich für viele von uns fast wie ein Verbrechen an. Und wenn wir uns dann doch mal trauen abzusagen, fofgen sofort seitenlange Rechtfertigungen: „Es tut mir so leid, aber genau an dem Tag geht es wirklich gar nicht, weil... und eigentlich würde ich so gerne, aber mein Kalender...“
Wir rechtfertigen uns, als müssten wir uns für unsere eigenen Grenzen vor einem Gericht verantworten. Aus Angst vor schiefen Blicken oder schlechtem Gewissen opfern wir unsere innere Ruhe.
Ein „Nein“ zu anderen ist ein „Ja“ zu dir selbst
Dabei vergessen wir eine fundamentale Wahrheit: Jedes Mal, wenn du zu etwas Unpassendem laut Ja sagst, sagst du im Grunde Nein zu deiner eigenen Gesundheit, deiner Familie oder deiner wohlverdienten Erholung.
Grenzen zu setzen ist kein Zeichen von Egoismus oder Lieblosigkeit. Es ist pure Selbstfürsorge und ein Akt von Ehrlichkeit. Ein gesundes Leben braucht Raum – und der entsteht nun mal nicht von allein, sondern erst dann, wenn wir lernen, die Tür für manche Dinge auch mal geschlossen zu halten.
Das beste Vorbild: Jesus und seine Pausen
Wenn wir in die Evangelien schauen, sehen wir, dass Jesus ein Meister darin war, Grenzen zu setzen. Die Menschen liefen ihm in Scharen hinterher, wollten seine Hilfe, riefen nach ihm. Es gab unendliches Leid und ungestillten Bedarf.
Aber Jesus hat nicht alles getan. Er hat sich immer wieder ganz bewusst von den Menschenmengen zurückgezogen, hat geschlafen, ist auf Berge gegangen oder hat Einladungen schlicht ausgeschlagen, wenn es Zeit für eine Pause war. Er wusste, dass seine Kraft begrenzt war und dass sein Auftrag nicht darin bestand, es jedem recht zu machen, sondern den Willen seines Vaters zu tun.
Du musst nicht jede Retterin der Welt sein. Manchmal ist das Beste, was du tun kannst, ein klares, freundliches und unaufgeregtes „Nein, das schaffe ich heute leider nicht.“
Ein Gebet für gesunde Grenzen
Guter Gott,
du weißt, wie schwer es mir oft fällt, Grenzen zu setzen. Ich möchte es allen recht machen, habe Angst vor Enttäuschungen und überfordere mich selbst, weil ich vergesse, dass meine Kraft endlich ist.
Schenk mir den Mut, klar und ehrlich zu sein – ohne mich ständig rechtfertigen zu müssen. Hilf mir zu erkennen, wann ein „Nein“ zu etwas Äußerem eigentlich ein „Ja“ zu meinem inneren Frieden und zu meiner Gesundheit ist. Danke, dass du mir erlaubst, Schwäche zu zeigen und gut auf mich Acht zu geben.
Amen.
💬 Fällt es dir leicht, Grenzen zu setzen, oder sagst du oft aus Höflichkeit Ja, obwohl du eigentlich nicht kannst? Schreib es mir in die Kommentare!

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