Was bleibt am Ende des Jahres übrig? Die ehrliche Ernte unserer Seele
Wenn wir im Oktober durch die Natur gehen, sehen wirallenthalben Früchte: Äpfel an den Bäumen, reife Kürbisse auf den Feldern, Trauben an den Reben. Die Bauern bringen jetzt ein, wofür sie im Frühling geschwitzt und im Sommer gebangt haben. Es ist die Zeit der Ernte.
Unwillkürlich fängt man da auch bei sich selbst an zu rechnen. Wenn du auf die vergangenen Monate dieses Jahres zurückblickst: Was hast du eigentlich geerntet?
Zwischen Erlebtem und Erschöpftem
Viele von uns neigen dazu, bei dieser Frage erst einmal tief zu seufzen. Wir schauen auf die Projekte, die gescheitert sind, auf die Vorsätze fürs neue Jahr, die längst im Sand verlaufen sind, oder auf die Energie, die irgendwo auf der Strecke geblieben ist. Wir fühlen uns oft wie ein abgeerntetes, karges Feld im Spätherbst.
Doch Gottes Blick auf unsere Ernte ist ein ganz anderer.
Er zählt nicht nur die großen Erfolge, die man vorzeigen kann. Er schaut auf die leisen, unscheinbaren Früchte, die im Verborgenen gewachsen sind:
Die Geduld, die du in einer schwierigen Phase aufgebracht hast (auch wenn du geschimpft hast).
Das kleine Gebet, das du in einem Angstmoment zum Himmel geschickt hast.
Die Träne, die du geweint hast, und die dich am Ende ein Stück demütiger und weicher gemacht hat.
Das sind die Früchte der Seele. Sie wachsen oft genau dann, wenn der Boden unseres Lebens umgepflügt und von Sorgen durchgerüttelt wurde.
Die Scheunen des Herzens füllen
Der Oktober lädt uns ein, Bilanz zu ziehen – aber nicht, um uns selbst zu verurteilen, sondern um dankbar zu sein für das, was Gott in uns gewirkt hat.
Nimm dir heute Abend einen Moment Zeit. Zünde vielleicht eine Kerze an, mach dir eine Tasse Tee und frage dich:
Welche kleine gute Gewohnheit oder Einsicht hat dieses Jahr in mir Wurzeln geschlagen?
Welche Last darf ich jetzt – wo die Ernte eingefahren ist – endlich aus der Hand legen, weil ich sie nicht mehr brauche?
Wofür möchte ich dem Schöpfer heute ganz konkret danken, das er in meinem Leben wachsen ließ?
Du musst nicht perfekt sein. Der Weinberg gehört dem Herrn – wir dürfen uns einfach nur freuen, dass wir ein Teil seines Gartens sein dürfen.
Ein Ernte-Gebet für die Seele
Guter Gott,
das Jahr neigt sich dem Ende zu, und ich blicke auf das zurück, was geworden ist. Manchmal sehe ich nur Unkraut, Fehler und verpasste Chancen.
Schenk mir deinen Blick auf mein Leben. Hilf mir, die echten, kleinen Früchte zu sehen, die du in den letzten Monaten in mir wachsen lassen hast – oft gegen jede Widerwärtigkeit. Segne diese Ernte, heile, was beschädigt ist, und bereite mein Herz auf das vor, was kommen wird.
Amen.
💬 Wenn du auf die bisherigen Monate dieses Jahres zurückblickst: Welche kleine „Seelenfrucht“ oder Erkenntnis überrascht dich selbst am meisten? Schreib es mir in die Kommentare!

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